Heute geht es früh wieder zurück zum Flughafen. Um 8:40 Uhr startet unser Flug nach Jaisalmer, ganz im Westen von Rajasthan, nur rund 120 km von der pakistanischen Grenze entfernt. Unsere Reise durch Rajasthan beginnt mit einem Frühstück in der Lounge, mit indischen Dosas und Dal. Chris ist wie immer auf der Suche nach „nicht so scharfem“ Essen. Ein Schoko-Muffin ist immer sicher ;o))
Das Boarding beginnt ungewöhnlich früh, schon eine Stunde vor Abflug. Vielleicht geht es hier beim Einsteigen weniger diszipliniert zu? Dann stellen wir fest, dass nur knapp 50 Passagiere an Bord sind. Und wir werden von den sehr engen Sitzen an den Notausgang umgesetzt, wo wir deutlich mehr Beinfreiheit haben.
Nach einem knapp zweistündigen Flug landen wir in Jaisalmer. Die Stadt war einst eine wichtige Station der Karawanenrouten, bis große Häfen wie Bombay (heute Mumbai) und Kalkutta mit ihren Schiffen und Seewegen den Handel über Land mit Kamelen ablösten. Mit der Teilung Indiens 1947 wurden die alten Handelswege nach Westen endgültig gekappt, und Jaisalmer versank für Jahrzehnte in der Bedeutungslosigkeit. Erst die Kriege mit Pakistan 1965 und 1971 rückten die Region wieder in den Fokus. In Windeseile wurden Straßen und Infrastruktur gebaut, Strom- und Telefonleitungen gelegt, und ab den 1970er Jahren kam langsam auch der Tourismus.

Unsere Abholung am Flughafen klappt reibungslos. Wir lernen Satish kennen, unseren Fahrer für die gesamte Reise, und unseren sehr bequemen, wenn auch etwas überdimensionierten Kleinbus mit freier Sitzwahl…
Die Fahrt zum Hotel ist nur kurz, endlich wieder frische, klare Luft (was hier allerdings auch nur zeitweise stimmt), und wir staunen: Unser Hotel, das Mandir Palace, ist tatsächlich Teil eines echten Königspalastes am Fuß der Festung von Jaisalmer.

Jaisalmer wird auch die „Goldene Stadt“ genannt, weil sie fast vollständig aus gelbem Sandstein gebaut ist, der im Sonnenuntergang golden leuchtet. Die Stadt kommt größtenteils ohne Beton aus, grösstenteils ohne Mörtel, sogar Fenster, Balkone und Torbögen sind aus Stein gemeißelt. Zum Teil so filigran, dass man sie für Holz halten könnte. Wirklich wundervoll anzuschauen. Aber mehr dazu an Tag 3, wenn wir die Innenstadt richtig erkunden.

An Tag 2 genehmigen wir uns erst einmal einen Sprung in die Taubentränke. Da es noch früh am Tag ist und unser lokaler Guide erst morgen zur Stadtführung kommt, beschließen wir, zwei bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung zu besuchen.

Der Gadisar-See (auch Gadi Sagar) ist ein künstliches Wasserreservoir, das vielen Arten von Wasservögeln Lebensraum bietet. Er wurde der Überlieferung nach schon 1156 vom Stadtgründer angelegt, um die Stadt mit Trinkwasser zu versorgen. Jaisalmer liegt am Rand der Thar-Wüste und ist daher sehr trocken. Dennoch sind wir erstaunt, wie wenig Wasser der See so kurz nach der Monsunzeit führt. Die Fische bekommen kaum noch genügend Sauerstoff, die Ruderboote liegen unbenutzt am Ufer, und die kleinen Tempel, die eigentlich Inseln sein sollten, stehen bis auf einen im Trockenen.

Ein jämmerlicher Anblick. Der Monsun hat dieses Jahr kaum Regen gebracht, entsprechend niedrig sind auch hier die Pegel.
Nach einem Spaziergang am Ufer gönnen wir uns ein erfrischendes Bierchen und etliche Snacks mit sehr schönem Ausblick auf trinkende Tierherden. Es sind relativ wenige Touristen unterwegs, und die Händler, die den Weg zum See säumen, sind netterweise nicht aufdringlich.

Weiter geht’s zu weiteren faszinierenden Bauwerken: den Kenotaphen. Kenotaphe sind Scheingräber und Gedenkstätten für Verstorbene, ähnlich wie kleine Mausoleen, hier „Chhatris“ genannt. Wie uns erklärt wird, hat jede Kaste und jedes Königshaus eine eigene Stätte, an der in kleinen Bauwerken der Toten gedacht wird. Bada Bagh ist die Stätte der Herrscher von Jaisalmer. Entsprechend verziert und fein sind die Kenotaphe gearbeitet, alles ebenfalls aus gelbem Sandstein.

Die kleinen Pavillons haben in der Mitte eine Marmorplatte. Ein Reiter auf einem Pferd zeigt, dass hier einem Mann gedacht wird. Echt faszinierend, diese anderen Länder und Bräuche. Chris zieht mit seiner tollen Kamera natürlich wieder neugierige Blicke auf sich, und ein kleiner Junge folgt ihm so lange, bis er ihn an die Kamera lässt. Die kleinen Augen leuchten, und schon folgt er uns wie ein Schatten.

Zurück im Hotel lassen wir den Tag mit einer Massage und einem sehr guten Abendessen auf der Dachterrasse ausklingen, bei traditioneller indischer Musik und Tanz.



